Brief an mich

Veröffentlicht am 14. Mai 2026 um 18:18

Ich habe deinen Gedanken und Schmerz in einen ruhigen, ehrlichen Brief gefasst — liebevoll, aber klar.

Ich habe mein ganzes Leben sehr viel gegeben. Für meine Kinder, für meine Familie, für Menschen, die mich gebraucht haben. Ich war immer fleißig, habe getragen, gekämpft und versucht, alles zusammenzuhalten. Oft habe ich dabei mich selbst vergessen.

Im Grunde war ich viele Jahre allein. Meine Kinder waren mein Halt und besonders mein Sohn hat mir in den letzten Jahren Kraft gegeben weiterzuleben. Auch wenn nach außen vielleicht niemand sieht, wie schwer alles war, habe ich jeden Tag versucht weiterzumachen.

Ich habe mir nie etwas Besonderes gewünscht. Eigentlich nur einen Menschen, mit dem man gemeinsam durchs Leben geht. Jemanden, mit dem man Freude, Ruhe, Unterstützung und Wärme teilen kann. Kein Kämpfen mehr. Kein ständiger Druck. Einfach gegenseitiges Verständnis.

Aber durch alles, was ich erlebt habe, habe ich mich an Distanz und Alleinsein gewöhnt. Nähe fällt mir schwer, obwohl ich sie mir wünsche. Ich bin oft innerlich wach, angespannt und müde zugleich. Vielleicht verstehst du nicht, wie sehr mich die vergangenen Jahre geprägt haben.

Als ich mich neulich zu dir gelegt habe, war das kein Zeichen von Schwäche, sondern von Vertrauen und Sehnsucht nach Nähe. Umso mehr hat es mich verletzt, dass ich mich mit meinen Gefühlen nicht wirklich gesehen gefühlt habe. Ich hätte in diesem Moment Verständnis gebraucht und nicht das Gefühl, wieder allein zu sein.

Ich trage seit Jahren sehr viel Schmerz in mir: Konflikte, Gerichtsverfahren, finanzielle Sorgen, die Krankheit meiner Tochter, die Distanz zu meiner anderen Tochter und die Angst vor der Zukunft. Oft habe ich das Gefühl, immer stark sein zu müssen, obwohl ich längst erschöpft bin.

Und trotzdem versuche ich noch immer, Hoffnung zu behalten.

Ich wünsche mir einfach, dass meine Gefühle ernst genommen werden. Dass ich nicht nur funktioniere oder stark sein muss, sondern auch einmal schwach sein darf, ohne dafür verurteilt oder verlassen zu werden.

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